Heute weckte mich bereits gegen 05.10 h der Gebetsruf des Muezzin.
Eigentlich wollte ich danach versuchen nochmals zu schlafen – aber nach
ca. 10-20 Minuten ging das wieder los, so dass ich schon früher
aufgestanden bin und somit viel Zeit für das Morgen-Gebet hatte. Dann
bin ich zur Kirche gegangen, die allerdings noch verschlossen war.
Unterdessen kamen die ganzen Schul-Kinder, die meisten mit dem
Uniform-Hemd bekleidet. Um 07.30 h sollte die Schul-Messe sein – aber
sie begann mit ¼ Stunde Verspätung. Die Kirche war komplett gefüllt mit
den Kindern und einigen Lehrern. Es wurden die Lieder auch mit Orgel
begleitet und der Kaplan hielt eine kurze Predigt. Unterdessen gingen
auch viele beim Pfarrer zum Beichten: wir mussten nach dem Sanctus
warten, dass er noch an den Altar kam. Einige kamen dadurch scheinbar
nicht mehr dran. Anschließend hatten mich die beiden Geistlichen zum
Frühstück eingeladen, das sie selber bereiten. Dann organisierte mir
Abouna Yakoub einen Fahrer der griechisch-katholischen Pfarrei als
Fahrer, der mich um 09.30 h vor der Haustür mit einem Kleinbus abholte.
Die Fahrt nach Ma'in Hot Springs dauerte ca. 40 Minuten. Es ging durch
die Hügel, von denen man an manchen Stellen einen schönen Ausblick auf
das Tote Meer hatte. Dann ging es wieder auf engen Serpentinen tief
hinab in eine Schlucht, bis wir das Eingangs-Tor erreicht hatten. Der
Fahrer organisierte mir eine Einheimischen-Eintrittskarte für 10 (statt
15 JD). Von dort war es noch ein kleines Stück weiter hinunter, vorbei
an einem kleinen Extra-Bereich mit dem sog. „Familien-Wasserfall“. Dann
kam das Gebäude mit den Umkleiden und Toiletten und ein paar Schritte
weiter unterhalb war dann das eigentliche Bade-Gelände mit
Picknick-Plätzen. Da etliche Frauen in voller Bekleidung badeten,
sorgten Touristen-Polizisten dafür, das nicht fotografiert wurde. Der
Hauptwasserfall war beeindruckend: er gießt sich an einigen natürlichen
Bade-Becken vorbei in die Tiefe. In 2-3 Kaskaden kann man baden, sich
unter den Wasserfall stellen aber auch unter die kleineren, die sich aus
den oberen Becken ergießen. Ganz oben kann man in den Grottenbereich
hinein, wo durch das heiße Wasser die Temperatur so hoch ist, dass man
wie in einer natürlichen Sauna zum Schwitzen kommt. Eine Tafel am
Familien-Wasserfall informierte über die Temperaturen in den
verschiedenen Monaten: für Oktober sind 60° C angegeben, was durchaus
zutreffen kann, da ich beim Überqueren des Wasserlaufes kurz mit den
Füßen hinein geraten bin. Den ganzen Tag hindurch bin ich wieder wieder
hier oben in die Grotte gegangen und auch kurz unter den Wasserfall und
in die Becken – dazwischen habe ich mich dann immer wieder im Schatten
erholte. Zwischendurch lernte ich die nette Familie Kuteifan aus Hamburg kennen,
später dann noch eine große
Frauengruppe unterschiedlichen Alters aus Amman kennen, die mit einem
Assistenten ihres Fahrers den ganzen Tag hier verbrachten: sie luden
mich zu arabischen Tänzen ein, die sie lautstark mit Trommeln, Schellen
und Klatschen unterstützten. Sie luden mich auch zu Tee, Kaffee ein, die
sie frisch auf einem kleinen Gas-Kocher bereiteten und boten mir auch
köstliches Obst an. Ich lernte auch noch einen Katholiken aus „meiner
Pfarrei“ in Madaba kennen, der als Fremden-Führer zwei Italiener hierher
gebracht hat und sehr gut Italienisch spricht. Für 17.00 h hatte ich die
Rückfahrt terminiert. Angesichts des Sonnenuntergangs in der Schlucht
ca. 16.30 h ein passender Zeitpunkt. Der Besitzer des
Lebensmittelgeschäftes und der Bar in der Nähe des Eingangs offerierte
mir noch einen Mango-Nektar und eine kleine Flasche Wasser. Ca. 16.50 h
kam auch schon der Fahrer. Auf dem Rückweg sahen wir etliche Schafherden
und er zeigte mir sowohl das Haus der Familie des lateinischen
Patriarchen von Jerusalem als auch in einem Dorf das Anwesen des
dortigen Priesters aus Italien, Padre Tommaso. Er organisierte mir dann
noch für morgen einen Taxi-Fahrer zum Toten Meer und zum Flughafen. So
ging ich nach der Rückkehr erst mal zu der Wechselstube, um nochmals
Euro in Dinare zu wechseln. Dann holte ich die üblichen 20 Falafel, aber
zusätzlich noch ein Falavel-Sandwich (in einer Brottasche mit Hoummus,
Pommes Frittes, Senfgurken und Gemüse-Salat): zusammen kostete es nur ½
JD. Auf dem Rückweg zur Wohnung schaute ich in der Nähe noch in ein
kleines Geschäft hinein, das nur Plüsch-Tiere verkauft und in dem ich
bereits gestern eine Orang-Utan-Mutter mit Kind gesehen hatte: da beide
zusammen nur 2 JD kosten sollten, kaufte ich sie. Der Händler musste
erst noch den 5 JD-Schein wechseln gehen und bot mir für die kurze
Wartezeit noch ein weiteres Tier zur Auswahl an: ich wollte zwar nicht
noch etwas nehmen, aber da er darauf bestand suchte ich mir eine kleine
Giraffe aus. Die Haustür war nicht verschlossen: erst dachte ich, ich
hätte das vergessen – aber es war wieder Abouna Imads Bruder zum
TV-Schauen und Wasserpfeife-Rauchen im Wohnzimmer. Dann holte ich
gegenüber noch eine Flasche Wasser und gönnte mir für den letzten Abend
in Jordanien noch eine Dose einheimisches Bier aus dem Liquor-Store
nebenan: die Dose „Philadelphia“ kostete 1,50 JD. Ansonsten wird im
ganzen Land fast ausschließlich das holländische „Amstel“ groß beworben.
Dann schrieb ich diesen Bericht weiter, packte schon so weit wie möglich
für den Rückflug, damit ich nicht nach der Rückkehr vom Toten Meer viel
Zeit benötige und betete Vesper und Komplet.
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