Moschee in Nuweiba

Moschee in Nuweiba
2. Aufenthalt im Sinai (Januar 2010)

Montag, 25. Oktober 2010

Montag 11.10.10 (Seliger Johannes XXIII)

Ca. um 01.00 Uhr ging es dann endlich los: der Flug dauerte 1,5 Stunden. Trotz dieser kürzeren Zeit wurde ein Essen gereicht - wenn auch nichts Warmes. Die Zeit verging schnell und wir landeten bei strömendem Regen in Beirut. Dort erfuhren wir, dass es der erste Niederschlag seit einem halben Jahr war. Wir waren erstaunt, dass wir für das Visum nichts bezahlen mussten: anscheinend etwas neues, da sonst überall der Betrag in Dollar genannt wird. Es ging recht schnell - allerdings kannte der Beamte unsere Aufenthaltsadresse nicht: er begnügte sich dann aber mit der Telefon-Nummer, die Claudia parat hatte. Es war nicht mehr viel Gepäck auf den Bändern, so dass wir gleich die Koffer fanden. Beim Verlassen sahen wir dann gleich P. Prior Josef vom Trappisten-Kloster in Dlebta, der uns persönlich abholte und dafür die ganze Nacht aufblieb. Er fuhr mit uns sogar noch zum Berg Harissa hinauf, wo die Statue ULF vom Libanon beleuchtet war - wie auch viele Kreuze, Statuen, und Kapellen, was wir gar nicht so vermutet hatten. Der Regen hatte schon aufgehört, als wir aus dem Flughafen kamen, es waren aber überall riesige Pfützen. Auf dem Berg wehte frischer Wind, was recht gut tat nach so vielen Stunden in Flughäfen und Flugzeugen. Dlebta ist nur eine Viertelstunde entfernt, so dass wir bald beim Kloster waren und unsere Zimmer beziehen konnten: um 05.00 Uhr kamen wir ins Bett.

Wir hatten uns zwar verabredet, bis 10.00 Uhr zu schlafen - aber die französische Pilgergruppe im Haus war früh schon so lebhaft, dass ich nicht im Bett blieb. Nach 10.00 Uhr trafen wir uns dann zum Früstück mit selbstgemachten Produkten der Trappisten und gegen 11.00 Uhr fuhr uns der Fahrer Charbel nach Jounieh, wo wir in St. Paul Dr. Assaf abholten, der gut Deutsch spricht und mit einer deutschen Professorin verheiratet ist. Er führte uns zunächst zur Adonis-Quelle und erklärte uns viel von der Gegend und Geschichte. Gegen Mittag ludt er uns in seinem schönen Haus (ein restauriertes ursprüngliches Stallgebäude) zum Kaffee ein. Anschließend fuhren wir durch das Adonis-Tal zum neuen Wallfahrtsort des Foyer de Charite: Wir besuchten die Wallfahrtskirche und einige andere Stätten dieses großen religiösen Zentrums im Geiste von Marte Robin. P. Joseph ludt uns ebenfalls zu Kaffe, Saft und hausgemachtem Gebäck ein. Dann setzten wir die Fahrt auf engen Gebirgs-Strassen fort nach Annaya zum Kloster St. Maron: hier durften wir direkt am Grab des heiligen Charbel die Heilige Messe feiern. Anschließend besuchten wir noch einiges im Wallfahrtsgelände, u. a. auch den Pater, der für die Registrierung der Wunder zuständig ist: allein seit Juli seien 18 davon gemeldet worden: zwei davon von Shiiten, eines von Alawiten. Die Muslims würden viele der hiesigen Wallfahrtsorte besuchen, in Harissa sogar mehr als die Christen. Wir kamen auch durch eine Gegend von überwiegend schiitischen Dörfern mit ihren Moscheen. Ansonsten fielen uns die riesige Zahl von Kirchen, Klöstern, Kapellen, Kreuzen, Marterln, Heiligen-Bildern auf, die oft auch nachts beleuchtet werden. Anschließend fuhren wir hinauf in die Einsiedelei des hl. Charbel, von der aus man auch eine gute Panorama-Aussicht in alle Richtungen bewundern kann. Schon in der Dämmerung bzw. Dunkelheit führte uns Dr. Assaf dann noch zu zwei weitgehend unbekannten Attraktionen: die erste war eine kleine Kapelle, die über dem Säulenrest eines Styliten erbaut worden war, damit die Reliquien-Sammler wenigstens diesen übrig ließen. Die zweite war eine Kirche, in die z. T. Reste aus der Zeit der Phönizier und Römer integriert war: hauptsächlich in Stein gehauene Inschriften und Reste von Fresken.

Nach der Rückkehr nahmen wir gemeinsam mit der Gruppe Ichthys das Abendessen ein, auch P. Prior Joseph gesellte sich dazu. So neigte sich der erste sehr beeindruckende Tag unserer Pilgerreise und ich beeilte mich, noch diese Zeilen aufzeichnen zu können, da es dann keinen Strom mehr gab (auch bei Dr. Assaf war es schon so am Nachmittag: die Städte hätten nicht genügend Geld, um die Stromzhufuhr einen ganzen Tag gewährleisten zu können: so wäre er immer stundenweise abgeschaltet.

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